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Verbände:
Eine Ursache für etliche Probleme ist wohl die Verbandsvielfalt in Deutschland. Dazu kommt, dass diese keineswegs gleichberechtigt nebeneinander stehen, sondern ein kompliziertes Geflecht mit für den durchschnittlichen Hundeführer nicht zu durchschauenden Machtstrukturen darstellt.
Da ich ein solcher Hundeführer bin, kann ich auch nicht einschätzen, wie aussichtslos die Vorstellung ist, dass man für AGILITY verbandsübergreifende einheitliche Strukturen schaffen könnte.
In der Schweiz gibt es z.B. die KAMO (Kommission für Agility, Mobility und Obedience), eine Organisation also, die sich um drei Hundesportarten kümmert. Entscheidend, dass alle Agility betreffenden Fragen meines Wissens von dieser KAMO bestimmt und organisiert werden. Ähnlich ist es z.B. auch in Luxemburg.
In Deutschland besteht ein Hauptproblem darin, dass die Sporthundeverbände unter einem "Dach"(DHV) den z.T. mächtigen Rassezuchtverbänden gegenüberstehen. Das führt z.B. dazu, dass Ergebnisse, die bei einem Verband
erzielt werden, bei einem anderen für bestimmte Zwecke keine Anerkennung finden. Es "nötigt" bei bestimmten Konstellationen einige Hundesportler zur Mitgliedschaft in mehr als einem Verband.
Wird von den Verantwortlichen wirklich alles getan, um in Deutschland eine Dachorganisation für Agility zu schaffen mit einheitlichen Richtlinien und Regelungen für alle Agility-Sportler ??? Was hätten die Verbände denn zu verlieren? . . . Und was wäre für die Sportler gewonnen?
So gibt es viele unnötige Probleme, die sich z.B. immer wieder schon bei einer simplen Turnieranmeldung zeigen. Man glaubt es kaum, aber die gewünschten Angaben sind keineswegs identisch, was bei Hundeführern und Meldestellen immer wieder zu Mißverständnissen und Ärger führt.
Ein mir bekanntes und immer wiederkehrendes Ärgernis besteht z.B. darin, dass die meisten Verbände ihre Leistungsurkunden
nummerieren, aber eben nicht alle. Kann man eine solche Nummer nicht angeben, dann führt das zu Rückfragen, Unverständnis oder gar Bestreiten des Tatbestands.
Auch - von mir für sinnvoll gehaltene - Vorschläge, die ich hier machen werde, sind nur schwer oder gar nicht umzusetzen, wenn es keine einheitliche Struktur für Agility in Deutschland gibt.
Was mir ganz wichtig erscheint: gibt es jemanden der bestreitet, dass die Verbände für die Sportler (Mitglieder) da sein sollten und nicht umgekehrt? - Ich vermute "NEIN". - Ich habe aber noch keinen Hundeführer getroffen, der die deutschen Verbandsstrukturen gut findet, und der nicht eine einheitliche Struktur für Agility begrüßen würde. Zugegeben, ich rede hier von Agility - nach meinem Eindruck allerdings zunehmend in den Vereinen der mit Abstand größte Teil derer, die Hundesport betreiben, abgesehen von Welpengruppen, Hundeführerschein etc.!
So könnte das z.B. aussehen: Gründung einer "AGILITY-KOMMISSION", die sich aus Vertretern der bestehenden Verbände zusammensetzt.
Unter der Überschrift "Mein Agility" dürfte das nur eine Übergangssituation sein. Alle Agility-HF wären Mitglied dieser AK, die demokratische Strukturen entwickeln müsste, so dass eine Hierarchie vom einzelnen Agility-HF bis zum Vorsitzenden der AK entstehen würde. Die Gremien, die was auch immer entscheiden würden, wären direkt aus dem Kreis der Agi-HF hervorgegangen.
Da dies aus heutiger Sicht völlig unrealistisch ist, werde ich darauf nicht weiter eingehen.
Die o.g. AGILITY-KOMISSION könnte aber auch dann eine sinnvolle Verbesserung darstellen, wenn deren Mitglieder wie bisher von den Verbänden entsandt würden. Ihr alleine würde die Organisation des gesamten Agility-Wesens obliegen.
1. Alle HF unterliegen den gleichen Regularien, Rechten und Pflichten, ganz gleich ob sie irgendeinem Rassezuchtverein oder einem der Hundesportverbände angehören.
2. Einführung einheitlicher Leistungshefte, die für alle Turniere von allen Verbänden gleichermaßen gültig sind. Diese auch in einer Ausführung, die praktisch ist hinsichtlich Handlichkeit, Festigkeit und Kapazität ist.
3. Alle Ergebnisse werden hinsichtlich Auf- / Abstieg und Erfüllung von Qualifikationskriterien gleich behandelt.
4. Ergebnisse zumindest aus den unmittelbaren Nachbarländern werden für Auf- / Abstieg anerkannt. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Ergebnisse, die in Nachbarländern z.T. gegen bessere Konkurrenz bei schwierigeren Parcouren erzielt werden, hier keine Anerkennung finden. Dass Agility bei unseren Nachbarn nicht auf niedrigerem Niveau praktiziert wird ist doch unbestreitbar. Von Turnier zu Turnier gibt es unabhängig von Land und Verband immer wieder z.T. große Qualitätsunterschiede, was sich auch kaum vermeiden lässt.
5. Internationale Richter aus den Nachbarländern können bei jedem Turnier zum Einsatz kommen. Ist es verständlich, dass ein internationaler Richter, der ganz in der Nähe wohnt, bei der WM richtet, aber ein normales Turnier in Deutschland nicht richten darf, weil er im benachbarten Ausland lebt. Statt dessen müssen dann höhere Kosten für die weite Anreise eines deutschen Richters aufgebracht werden. Außerdem: kann es nicht befruchtend sein, wenn eine möglichst große Vielfalt an Richtern bei uns zum Einsatz kommt? Haben wir etwa zu viele unterbeschäftigte Richter? Der Sport könnte nur gewinnen !!!
6. Ein Aktivensprecher ist Mitglied der AK. Dieser ist antrags- und stimmberechtigt und wird z.B. im Rahmen der Deutschen Meisterschaften von den Aktiven gewählt.
Der Sport:
In letzter Zeit höre ich immer öfter Stimmen, die meinen, es müsse unbedingt eine eigene Klasse für Border-Collies geben. Dies liegt offensichtlich daran, dass der Anteil an BC im Agility kontinuierlich steigt. Dazu kommt die Beobachtung, wie gerade bei der WM in Dortmund, dass im Spitzenbereich scheinbar nur noch BC zu finden sind. Dabei stimmen Eindruck und Realität nicht so ganz überein. Viele sagten mir 90% oder gar 95% . . . es waren 67,5%, trotzdem eine große Übermacht. Auch wurden die ersten 17 (!) Plätze des Endklassements von BC belegt.
Über die Gründe möchte ich hier nicht spekulieren. Ganz sicher ist es aber nicht so, daß andere Rassen etwa in diesem Sport keine Chance hätten. So wurde z.B. das Jumping mit fast einer Sekunde Vorsprung vor dem schnellsten BC von einem Tervueren gewonnen!
Wer diese Entwicklung einfach nur fürchterlich findet, der sollte sich mal das WM-Klassement im Schutzdienst anschauen . . . ! Verglichen damit haben wir im Agility geradezu ein Babylon an Rassevielfalt (vor allem, wenn man die drei Größenklassen zusammen betrachtet).
Gerade bei der WM hätte ich mir als Zuschauer auch lieber eine größere Vielfalt an Rassen angeschaut - ein verständlicher Wunsch.
Ein sportlicher Wettkampf - und das ist Agility bei Turnieren doch zweifellos - kann aber nur nach Leistungskriterien entschieden werden. Wer mit welchem Hund zu diesen Wettkämpfen antritt, wird ja wohl auch niemand vorschreiben wollen und können.
Fazit: Ein Jammern über ständig geringer werdende Rassevielfalt ist vielleicht verständlich, kann aber keine Konsequenzen nach sich ziehen.
Meiner Meinung nach liegt ein Grund für die Dominanz der BC darin, dass sich - aus welchen Gründen auch immer - sehr viele der überdurchschnittlichen Agility-Hundeführer für einen BC entscheiden.
Leistungsbewertung:
Ich bin der Meinung, dass man das Bewertungssystem vereinfachen und damit im sportlichen Sinne sogar gerechter gestalten könnte.
Manche stellen in Gesprächen Geschicklichkeit (Fehlerfreiheit) und Schnelligkeit als "quasi-gegensätzliche" Merkmale dar. Ein objektiver Beobachter, ganz zu schweigen von einem sachkundigen, wird wohl kaum behaupten, dass es weniger Geschicklichkeit bedarf einen sehr schnellen Hund erfolgreich durch einen Parcour zu bringen als einen langsamen. Wenn man sich unbefangen mehrere verschiedenartige Agi-Läufe anschaut, dann wird man sowohl Parcourfehler wie mangelnde Geschwindigkeit als negative Abweichung vom PERFEKTEN LAUF auf höchstem Niveau empfinden. Sehr geringe Geschwindigkeit fließt aber nur in Ausnahmefällen geringfügig in die endgültige Beurteilung ein. Bedarf es doch schon über 5 Sek. oberhalb der Standardzeit, um schlechter klassiert zu werden als ein noch so schneller Lauf mit einem einzigen Parcourfehler.
Ich würde Parcourfehler in Form von Sekunden auf die Laufzeit aufschlagen: sofort hätte man eine klar überschaubare Rangliste. Dabei böten sich 5 sec entsprechend der bisherigen 5 Fehlerpunkte an. Wünchenswert wäre dabei aber eine Differenzierung, was das Richten allerdings etwas erschweren würde.
Mein Vorschlag wären 5 sec für einen Kontaktzonenfehler und 3 sec für Stangenabwürfe und Verweigerungen. Zwar stellen Verweigerungen m.E. einen deutlichen Mangel beim Bewältigen eines Parcours dar,
bedeuten aber immer mehr oder weniger viel Zeitverlust, also auf diesem Wege auch eine "Selbstbestrafung".
Bei der in fast allen Sportarten geübter Praxis, dass hinter dem Sieger allenfalls noch der 2. und 3. Platz irgendeine Beachtung findet, könnte man allerdings sagen, dass eine Veränderung wie ich sie begrüßen würde keine Rolle spielt. Ich habe allerdings eine etwas andere Einstellung zum Sport !!!
Ich habe Einwände gehört, dass dann niemand mehr die Kontaktzonen beachten und gerade die Leute mit schnellen Hunden nur noch Raserei betreiben würden. Dies sei dann kein Agility mehr. Dazu biete ich jedem einen Vergleichstest an !!! Den möchte ich sehen, der da 5 Sekunden an den Kontaktzonen herausholt - ganz abgesehn, dass es dabei nicht bleiben würde. Wer so mit seinem Hund "arbeiten" würde, der hätte ganz schnell 10 und mehr Sekunden auf seinem Konto.
Entschuldigt, wenn ihr das so seht, aber ich halte einen solchen Einwand für realitätsfremd
Nach meinem Eindruck möchte man im Hundesport per Reglement auch immer erzieherisch auf die HF einwirken. In diesem Sinne kann ich mir vorstellen, dass man es in den unteren Klassen zumindest zunächst besser so lässt wie es ist. Da ich auch der Meinung bin, dass eine solche Veränderung mit Bedacht vorgenommen werden müsste, würde ich eine solche neue Bewertung zunächst auf die A3 beschränken (siehe 'Leistungsklassen' )
Jumping:
Jede Meisterschaft wird durch die Addition von A-Lauf und Jumping entschieden, d.h. der Jumping ist durchaus von großer Bedeutung. Bei den normalen Turnieren werden die Jumpings als Spiele angesehen und in jeder Beziehung auch so behandelt. Dies finde ich nicht gut. In den USA z.B. werden die Jumpings separat betrachtet, und man steigt dort auch getrennt auf, d.h. man kann im Jumping in einer anderen Klasse starten als im A-Lauf. Dies halte ich persönlich nicht unbedingt für nachahmenswert. Die Regelung, die seit diesem Jahr in Deutschland (zum Gluck nur selten) zur Anwendung kommen kann lässt mich allerdings nur den Kopf schütteln: wenn für die einzelnen Klassen separate Parcoure gestellt werden und eine separate Wertung für die Klassen erfolgt, dann gilt der Jumping nicht als Spiel, sondern auch als Prüfung. Was aber soll das bitte, wenn es für nichts zählt? Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass zum Aufstieg nicht nur bestimmte A-Lauf- sondern auch bestimmte Jumping-Ergebnisse gefordert werden würden.
Parcour-Messung:
Unabhängig von der Bedeutung der Standardzeiten und der Wichtigkeit der Bewegungsgeschwindigkeit in den Ergebnislisten, sollten diese doch, wenn sie zur Anwendung kommen, untereinander einigermaßen vergleichbar sein. Ich habe den Eindruck, dass das vielen Richtern nur eine lästige Pflicht ist. Ganz gewiss gibt es Wichtigeres im Agility - auch für mich! Nur wenn man etwas machte, dann sollte man es auch richtig machen. Mit richtig meine ich in diesem Falle halbwegs einheitlich. Da wird gelegentlich der Weg in der Mitte der Hürden gemessen mit normalen Bögen und z.B. bei Tunnels wird mal der kürzere und mal der längere Weg gewählt. Dies ist meines Erachtens auch eine korrekte Messung. In der Mehrzahl der Fälle geschieht dies aber nicht, sondern es entstehen "Parcourlängen", die weit über die Realität eines normal laufenden Hundes hinausgehen. Da braucht über angemessene Standardzeiten gar nicht mehr gesprochen werden. [bei Prozentregelung oder Fehler-Zeit-Umrechnung wird dies alles unbedeutend]
IM AUFBAU - WIRD FORTGESETZT