Österreichischer Quali-Modus

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Unsere südlichen Nachbarn haben ein grundsätzlich anderes System als wir in Deutschland oder die Schweizer !

- Der Zugang zur WM-Quali ist allen Rassehunden der Klassen A2 und A3 möglich.
 
- Die WM-Qualifikation ist aufgeteilt in 4 "Vor"-Qualifikations-Turniere, bei denen man sich für die Endqualifikation bewirbt
, die an einem            Wochenende mit 4 A-Läufen und 4 Jumpings stattfindet.                        
 
- Die vier Quali-Turniere fanden 2002 im Januar, April, Mai und Juni statt. Zumindest das erste und vierte Turnier fanden in einer Halle   (wahrscheinlich Teppichboden) statt. Unabhängig von der Teilnehmerzahl (2002: 51 Large) erhalten die ersten 15 sowohl im A-Lauf als auch Jumping Punkte, wenn das Ergebnis mindestens ein V ist.
 

Platz
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
A-Lauf
25
20
17
14
12
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
Jumping
18
15
13
12
11
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1

- Die Hälfte der Teams, die gepunktet haben, sind für die Endqualifikation qualifiziert. Dabei werden keine Punkte "mitgenommen".
2002 haben insgesamt 33 Teams gepunktet. So waren dann 17 zur Endqualifikation zugelassen.
 
- Die Endqualifikation hat 2002 Mitte Juli in einer Tennishalle stattgefunden. An jedem der beiden Finaltage werden je 2 A-Läufe und 2 Jumpings ausgetragen. Alle 8 Läufe werden getrennt nach obigem Schlüssel bewertet. Es gibt keine Streichresultate.


- Die Anzahl der Teams, die sich für die WM qualifizieren können, steht vorher fest:  je 3 Teams pro Größenklasse.
 
- Dementsprechend sind die 3 Punktbesten der Endqualifikation für die WM qualifiziert, bei Punktgleichheit entscheiden die Punkte, die in den A-Läufen erzielt wurden.

Wichtig für die Beurteilung eines Modus ist neben dem formalen Ablauf auch das Maß der Anforderungen bei den einzelnen Läufen.
Deshalb gehe ich hier ein wenig auf die Turnierdaten und die Qualität der Ergebnisse von 2002 ein.
Die Zeitvorgaben z.B. sind leider nicht wirklich vergleichbar. Bodenverhältnisse, Art des Parcours und vor allem die Art der Streckenmessung beeinflussen ganz erheblich, was z.B. 4 m/sec. wirklich bedeutet. Dass die Österreicher sich weder in Qualität noch Schnelligkeit vor den deutschen Teams verstecken müssen, hat die WM in Dortmund deutlich gezeigt.
So ist bemerkenswert, dass in keinem A-Lauf und nur in 2 Jumpings 15 V's erreicht wurden, also die Punkteränge kaum ausgeschöpft wurden. Es ist sogar vorgekommen, dass selbst der A-Lauf-Sieger noch Zeitfehler hatte !!!
Zwar ist hier vielleicht an einigen Stellen übertrieben worden, grundsätzlich finde ich es aber richtig, dass bei hochkarätigen Wettkämpfen auch sehr anspruchsvolle Standardzeiten angesetzt werden. Nur so ist gewährleistet, dass
eine nicht optimale (oder gar langsame) Laufzeit ebenso in Fehlerpunkten zum Ausdruck kommt wie ein Parcourfehler.

Wer sich für Einzelheiten interessiert, der sollte mal auf der Homepage des ÖKV nachschauen !!!

Meine Meinung:  
Ein bemerkenswerter Quali-Modus mit etlichen Vorteilen!
Zunächst steht die Qualifikation sehr vielen offen (A2 und A3), was vielen die Möglichkeit bietet, ihr Können mit der nationalen Spitze zu vergleichen, wie es in dieser Dichte bei normalen Turnieren nicht der Fall ist.
Bei den offensichtlich gestellten Anforderungen ist es sicher nicht so leicht, überhaupt zu punkten. Wenn dann die ersten 50% der Teams, die gepunktet haben, in die Endausscheidung kommen, so hat man es sicher mit der momentanen nationalen Spitze zu tun.
Gleichzeitig ist die Anzahl der Teams so stark reduziert, dass es organisatorisch problemlos möglich ist, an dem Wochenende der Endausscheidung 8 Läufe an 2 Tagen durchzuführen.
Positiv ist weiterhin, dass vor allem diese 8 alles entscheidenden Läufe auf einem Untergrund stattfinden, der dem bei der WM zumindest nahe kommt.
Diese Endausscheidung verlangt den Teams überdurchschnittlich viel ab. Nicht nur psychisch wegen der 4 Starts pro Tag. Es werden auch keinerlei Sicherheitsläufe "erlaubt": bei bis zu
5 m/s im A-Lauf und bis zu 5,5 m/sec im Jumping ist dies keinem Team möglich.

Der Punkteschlüssel ist eher ungewöhnlich: vom 15. bis rauf zum 6. Platz werden A-Lauf und Jumping gleich bewertet. Auf den ersten 5 Plätzen dagegen erfolgt eine Höherbewertung für die A-Läufe, die an der Spitze am stärksten ausgeprägt ist. Man kann sich Begründungen ausdenken, die tatsächlich dahinterstehenden Überlegungen würden mich mal interessieren.

Wie jemand läuft hängt auch davon ab, unter welchen Umständen ein Team an den Start geht. In Österreich wird aufgrund der Vorgaben Agility auf höchstem Niveau verlangt. Dies allerdings ohne irgendwelche Quoten, Höherbewertungen einzelner Läufe oder Streichresultaten. Nun könnte man meinen, dass so anspruchsvolle Anforderungen die meisten Agi-Sportler wegen offensichtlicher Chancenlosigkeit demotiviert, überhaupt an der Quali teilzunehmen. So ist es aber allem Anschein nach nicht, denn mit anfangs 51 Startern war das Feld deutlich größer als in Deutschland. Gibt es in Österreich insgesamt tatsächlich mehr hochkarätige Teams als bei uns - ich glaube das eigentlich nicht.
Wenn ich mich aber bei uns umhöre, so stelle ich bei etlichen Teams, die durchaus zu Spitzenleistungen fähig sind, eine nur mäßige Motivation zur Teilnahme an den WM-Qualifikationen fest. 

Und dies ausdrücklich wegen des Modus . . . !