AGILITY - Weltmeisterschaft 2004

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Ein (ganz subjektiver Bericht) von der WM-Reise

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Dienstag, 21.9.  Morgens um 3.00 Uhr mussten wir aufbrechen um den Mannschaftsbus in Montabaur rechtzeitig zu

                        erreichen. Dieser war in Stadtallendorf gestartet und hatte nun an mehreren vereinbarten Orten auf dem Wege nach Italien die Teammitglieder "einzusammeln". Bis auf zwei, die individuell angereist sind, fuhren alle incl. etlicher Begleitpersonen im Mannschaftsbus, einem Doppelstöcker, aus dem mehrere Sitzreihen ausgebaut worden waren um Platz für die Hundeboxen zu schaffen. Die Stimmung war blendend, was aber leider nicht verhindern konnte, dass wir aufgrund vieler Staus erst kurz nach 23.00 Uhr in unserem Hotel in einem Nachbarort von Montichiari ankamen. So zeigte sich gleich, dass es klug war, nicht etwa erst am Mittwoch anzureisen.

Mittwoch, 22.9. Vormittags versuchten wir schon einmal die Halle zu besichtigen, was aber nicht möglich

                        war. Ein Ausflug zum Gardasee mit einem schönen Spaziergang - die Hunde waren schließlich lange genug in den Käfigen - war das angemessene "Programm" für diesen Ruhetag. Was zu unserer Laune passte war zudem das phantastische Sommerwetter mit Temperaturen unweit 30 Grad und blauem Himmel.

Donnerstag, 23.9. Nach der Veterinärkontrolle folgte von 10.32 - 10.52 Uhr unser Training. Eine intelligente

                        Raumaufteilung und Trainingsplanung sowie der Einsatz aller Begleitpersonen als Parcourhelfer ermöglichten uns hinreichend Trainingsmöglichkeiten, obwohl 20 Minuten für 13 Teams aus drei Größenklassen sehr knapp erscheint. Nun dient dieses Training aber primär dem Kennenlernen der Geräte, der Gesamtsituation in der Halle und vor allem der Gewöhnung an den Bodenbelag. Wir mussten feststellen, dass die Wippe für die Small-Hunde sicherlich nicht ganz unproblematisch war, weil sie sich bei den leichten Hunden nur sehr langsam senkte. Der Boden, eine Art Kunstrasen, war für die Hunde sehr griffig, man brauchte sich diesbezüglich keine Sorgen zu machen. Allerdings setzte sich die Fläche aus vielen kleinen Stücken von ca. 1qm zusammen, die offensichtlich nicht sonderlich gut verlegt waren. Ein heftiger Ausfallschritt eines HF führte immer wieder dazu, dass sich Teppichstücke ablösten, was dann prompt zu Stürzen führte. Schon beim ersten Blick in die Halle hatte ich festgestellt, dass die Hürdenstangen überdurchschnittlich dick und farblich gut gestaltet waren. Auch die Aufleger waren so geformt, dass die Stangen nicht schon durch Fellberührung herunterfallen konnten. Diese Feststellung machte mich in Verbindung mit dem griffigen Boden sehr zuversichtlich. Bei einem Turnier in Böbingen hatte ich schon ein Mal solche Stangen im Turnier angetroffen und konnte feststellen, dass sie von den Hunden offensichtlich besser erkannt werden, und es so zu weniger Abwürfen kommt.

Am Abend gab es dann noch den "Gala-Abend". In den Räumlichkeiten des Hotels, in dem dieser stattfand, ging es recht eng zu, doch schließlich fanden wir auch noch Plätze für die ganze Mannschaft incl. Anhang in einem Nebenraum. Witzigerweise zusammen mit den Luxemburgern, die ich ja alle sehr gut kenne. Gemeinsam hatten wir sehr viel Spaß an diesem Abend. Ein irgendwie geartetes Programm vom Veranstalter gab es nicht.

Freitag, 24.9.  Der "Tag der Wahrheit" war für uns gekommen. Nach der Eröffnungsfeier standen die

                       Einzel-Jumpings aller Klassen und die Mannschafts-A-Läufe Small und Medium auf dem Programm. Der Einmarsch der Teams zum Klang der Nationalhymnen war schon sehr eindrucksvoll. Lobend zu erwähnen ist aus meiner Sicht der zügige Ablauf der WM-Eröffnung ohne viele langatmige Reden.

Bei den Jumpings zeigten uns die Richter (Small u. Medium - Meroni / Large - Grygar) gleich, dass sie nichts "verschenken" wollten. DIS-Quoten von 42,6 - 45 - 53,2% waren die Folge. In unserem Team gab es 4 Nuller, einen Lauf mit 7,16 Fehlern, leider aber auch 4 DIS, womit wir im Vergleich zu anderen Teams noch leicht überdurchschnittlich abschnitten.

Bei den Mannschafts-A-Läufen hatten unsere Small-Teams (Feucht, Lindemann, Stier) nicht gerade das Glück auf ihrer Seite und belegten den vorläufigen 18. Platz von 21, während die Medium-Teams (Ertl, Krauß, Sinner) mit insgesamt nur einem Fehler vorläufig auf Platz 7 von 22 landeten.

Samstag, 25.9.  Heute war ausschließlich der Tag der Mannschaften, d.h. die Einzelstarter hatten "Pause", versuchten

                        aber natürlich die Mannschaftsläufer so gut wie irgend möglich zu unterstützen. Zunächst hintereinander die A-Läufe und die Jumpings der Large-Mannschaften. Nach den A-Läufen lag unsere Mannschaft (Grefenstein, Ketschker, La Motte) mit nur einem Parcourfehler zunächst auf dem erstklassigen 5. Platz von 30. In der Jumping-Wertung fiel dann "nur" ein 14. Platz von 29 ab bei insgesamt 12,44 Fehlern. Tragisch der "Fall" des kroatischen Teams, das klar geführt hatte und noch auf den 16. Platz zurückfiel. Ein verdienter Sieg nach eindrucksvoller Vorstellung durch die Mannschaft Südafrikas. Und unsere Mannschaft ? . . . sie hielt in der Gesamtwertung den 5. Platz und schaffte damit die beste Mannschaftsplatzierung seit dem Titel gewinn im Jahre 1999! Eine Super-Leistung.

Dem Small-Team blieb mit zwei DIS in den Jumpings das Pech treu. Alle haben alles versucht, aber letztendlich war es dann doch der 20 und vorletzte Platz. So ist aber nun einmal der Sport - es kann nicht immer nur Erfolge geben ! Weltmeister wurde Russland ganz knapp vor Tschechien.

Die Medium-Mannschaft ging mit einer besseren Ausgangslage an den Start und zunächst lief alles ganz prima. Tanja als letzte Starterin unserer Mannschaft lief dermaßen engagiert und souverän, dass ich mir eigentlich gar keine "Sorgen" machte, bis sie kurz vor Schluss doch noch zwei unglückliche Fehler ereilten. So bleib der gute 8. Platz von 22! Weltmeister wurde Norwegen vor Österreich.

Sonntag, 26.9. Der Abschlusstag brachte mit den A-Läufen die Entscheidungen in den Einzelkonkurrenzen. Der                         Small-Wettbewerb war ausgesprochen spannend und das Weltmeisterteam lag am Ende 3 Hundertstel Sekunden vor dem Zweitplatzierten. Unser grandios laufender Daniel hatte leider eine kleine "Wackelstelle", an der er eine Hundeberührung angezeigt bekam. Ohne diesen Fehler hätte er noch zwischen den beiden später Erstplatzierten gelegen - ein unglaublich enges Finale !!! So blieb ihm schließlich der 9. Platz, ein ganz großartiger Erfolg für unseren Junior ! Die nach dem Jumping recht klar führende Russin Kochetova ereilten im A-Lauf zwei Fehler, so dass sie trotz der Bestzeit mit 5 Sekunden Abstand zum Rest des Feldes noch auf den 16. Platz zurückfiel. Saskia lief wieder recht gut, hatte aber leider doch ein DIS. Johanna kam mit 5,45 Fehler durch und erreichte noch den 42. Platz.

Bei den Mediums hatte Tanja nach ihrem Nuller im Jumping diesmal leider einen Fehler und erreichte somit den sehr guten 13. Gesamtrang, Platz 6 wäre möglich gewesen. Claudia lief zwar DIS wie im Jumping, aber die beiden Läufe muss man wirklich gesehen haben, um ihre Leistung richtig einschätzen zu können: sie waren wirklich erfrischend offensiv geführt.

Bei den Large war nach seinem DIS im Jumping Günter der erste deutsche Starter. Er kam mit 12,9 Fehler durch und gelegte schließlich Platz 104. Marc machte wie im Jumping einen guten Lauf, jeweils eine Verweigerung und auch dadurch verursachte Zeitfehler führten zu insgesamt 16,28 Fehlern und dem respektablen Platz 45. In der letzten Gruppe dann Jürgen, der wie im Jumping einen sauberen Nuller hinlegte. In der Gesamtwertung bedeutete dies schließlich den hervorragenden 16. Platz. Nach dem 9. Platz beim Jumping hatte ich eine ausgezeichnete Ausgangsbasis für ein respektables Ergebnis. Ein Fehler ließ uns auf den immer noch sehr guten 25. Gesamtrang zurückfallen. Die Französin Christelle Bouillot wurde klare und verdiente Weltmeisterin.

Unsere Fans haben uns ganz toll unterstützt - vielen Dank dafür !!! Die Mannschaft hielt super zusammen, als Amerikaner würde man wohl sagen, wir hatten echten "Team-Spirit". Nicht ganz selbstverständlich in einem Sport, in dem wir letztendlich im Parcour doch ganz alleine für uns stehen.

Die Stimmung in der Halle war wie erwartet sehr gut. Wenn man in Dortmund und Lievin war, dann konnte man dennoch etwas enttäuscht sein. Obwohl die Halle deutlich kleiner war, so konnte man sogar am Sonntag noch einige freie Sitzplätze finden. Auch das Feiern nach der Siegerehrung konnte nicht mit dem verglichen werden, was wir in den Vorjahren beobachten konnten. Auffallend war, dass z.B. die Holländer - sonst neben den Franzosen immer Stimmungsmacher Nummer 1 - praktisch völlig fehlten.

Positiv fiel auf, dass die Ordnungskräfte so unaufdringlich agierten, dass wir uns sehr frei und unverkrampft in allen Bereichen der Halle bewegen konnten. Ein echter Witz waren aber die gebotenen Aufwärmmöglichkeiten: in einem bestenfalls wohnzimmergroßen Raum standen zwei Hürden in zwangsläufig kurzem Abstand zueinander. Innerhalb der Halle gab es aber offensichtlich keine anderen geeigneteren Möglichkeiten. Aufenthaltsräume für die Nationalteams gab es auch, allerdings mussten sich jeweils 4 Mannschaften incl. Hunde eine Umkleidekabine teilen, es war also - milde ausgedrückt - sehr eng. Da erwies es sich als sehr vorteilhaft, dass wir unseren großen Bus dabei hatten und somit auf die angebotenen "Räumlichkeiten" nicht angewiesen waren.

Wenn man es nicht hautnah miterlebt hat, dann kann man kaum ermessen welche Leistung unsere Betreuer an diesen Tagen vollbracht haben. Es sind viele Stunden voller Aufregung und Anspannung. Ich kann primär natürlich nur für mich sprechen, glaube aber, dass die anderen Teammitglieder es nicht anders erlebt haben: jeder wurde im ganzen Umfeld seiner Starts so behandelt wie er/sie es ganz persönlich wollte. Man wurde nicht bevormundet, bekam aber Tipps, wenn man sie wollte. Das Selbstvertrauen wurde nach Kräften gestärkt. Herbert Köhler, Christiane Klar, Thomas Behrendt, Jessica Schneider, ihr ward Spitze. Nicht zu vergessen Claudia, die unsere Hunde mit Akkupunktmassage auf ihre Starts vorbereitete, Wilfried Grefenstein, der uns ein tolles Zelt mit Tischen und Bänken zur Verfügung stellte und auch Oskar, der sich als Einkäufer/Fahrer bewährte und somit half, dass die Tische nicht leer blieben und wir von der Hallenverpflegung unabhängig blieben. 

Wir Aktiven konnten uns wirklich ausschließlich auf unsere Wettbewerbe konzentrieren.

Vielen herzlichen Dank allen, die dazu beigetragen haben, dass wir Montichiari in so positiver Erinnerung behalten werden!!!

Alle Ergebnisse und Parcourläne u.a. auf der Seite von Guy Blancke 

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